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Thema: Buchtipps Business
Buchtipp: Still 
Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt - Susan Cain
Ihr Chef klaut Ihnen ständig Ihre Ideen und präsentiert sie dann laut als seine Schöpfungen? Eigentlich stammt die Erfindung für das neue Produkt von Ihnen. Stattdessen bekommt die Kollegin dafür das Lob mitsamt der Gehaltserhöhung, weil sie sich besser verkaufen konnte?

Seien Sie getrost, um erfolgreich zu sein und Beeindruckendes zu leisten, muss man kein Alphatierchen oder lauter Partylöwe sein. Gerade in der Stille gedeihen oft die großartigsten Werke und ohne Introvertierte gäbe es weder die Relativitätstheorie, Harry Potter, Google u.v.m.

Das belegt Susan Cain in ihrem Buch Still mit aktuellen Forschungsergebnissen...
Folgende Rezension zum Buch wurde uns freundlicherweise von Erich Feldmeier zur Verfügung gestellt.

Stille - Eine schonungslos-genaue, wissenschaftliche Abrechnung mit dem Mainstream
Das Grandiose an diesem Buch ist, dass es Susan Cain geschafft hat, eine überwältigende Fülle an neuesten Forschungserkenntnissen und wissenschaftlichen Argumenten in Alltags-Sprache und -Szenarien zu übertragen.

Wer dieses Triviale, 'Amerikanische' nicht mag, sollte sich trotzdem nicht irritieren lassen. Das Buch ist eine Meisterleistung mit weitreichender Bedeutung. Es beginnt mit einem Zitat von Allen Shawn: Ich denke daher, dass die Erde Sportler, Philosophen, Sexsymbole, Maler und Wissenschaftler braucht...
Sie braucht Menschen, die ihr Leben der Fragestellung widmen, wie viele Wassertröpfchen die Speicheldrüsen von Hunden unter best. Umständen absondern, und sie braucht Menschen, die die flüchtige Impression von Kirschblüten in einem 17-silbigen Gedicht einfangen ..

*Wenn jemand aussergewöhnliche Talente besitzt, setzt das voraus, dass die für andere Gebiete benötigte Energie von diesen abgezogen wurde*“

Cain rechnet schonungslos und unerbittlich-sachlich mit dem Brainstorming- und Team-Wahn ab, der sich trotz besserem Wissen hält, obwohl er zur Entstehungs-Zeit bereits widerlegt wurde.

„Die Geschichte der Finanzwelt strotzt... - von Akteuren, die Gas geben, wenn sie bremsen sollten“, schreibt sie.

Die Frustration fürs Erfinden und für Erfinder ist sozusagen vorprogrammiert, wie folgende Aussage zeigt: „Es reicht nicht aus... am Computer eine großartige statistische Regressionsanalyse durchführen zu können, wenn man zu zaghaft ist, die Ergebnisse vor einem Team von Führungskräften zu präsentieren... (Augenscheinlich ist es in Ordnung, sich bei einer Regressionsanalyse zaghaft anzustellen, solange man großartige Reden schwingt)“. Zitat Ende.

Eine Beleidigung des Gesunden Menschenverstands.

Ein weiteres Highlight sind die Forschungsergebnisse von Jerry Kagan - der neben vielen anderen wie Carl Schwartz, Elaine Aron, Richard Lucas, Ed Diener, Daniel Nettle, Richard Depue etc. etc. - einen Durchbruch in der physiologischen Persönlichkeitsforschung erzielt hat. Besondere Bedeutung und Brisanz erhalten diese Kapitel (S. 152 ff), wenn man sie mit denen von anderen Neurobiologen vergleicht.

Warum bin ich anders?
Eigentlich ist es fast müßig, an dieser Stelle auf Persönlichkeits-Typen a la C.G. Jung, MBTI etc. etc. einzugehen, weil man davon ausgehen könnte, dass diese inzwischen allgemein bekannt sind. Dem ist jedoch keineswegs so. Nach eigenen Angaben hat sie seit Jahrzehnten am Inhalt des Buches gegrübelt und v.a. an der Frage, warum sie "anders" ist: „Ich brauchte Jahrzehnte, um herauszufinden warum... Es hätte mir wahrscheinlich geholfen, wenn ich mich damals schon besser gekannt hätte“. Die entscheidenden Passagen zur Berufsfindung und Lebensführung haben deshalb eine hohe Priorität für die eigene Personalentwicklung (155ff, 167, 179 ff, 399). Immer wieder lässt sie einfliessen, dass Small Talk und oberflächliche Gespräche eine Zumutung sein können (S. 212 ff, 233 ff, 284, 293, 306, 315).

Überleben in der Subpolarregion
Meine *Schlüsselstelle* hat nicht weniger als mit dem Überleben der Menschheit zu tun. Es beschreibt das Rollenspiel "Überleben in der Subpolarregion" an der Harvard Business School:
„Ein Kommilitone hatte das Glück in einer Gruppe zu sein, in der ein junger Mann über ausgiebige Erfahrungen mit den abgelegenen Regionen des Nordens verfügte. Er hatte viele gute Ideen... Nur hörte die Gruppe nicht auf ihn, weil er seine Ansichten nicht mit genug Nachdruck vertrat... Unser Aktionsplan basierte auf den Vorschlägen der redefreudigsten Leute".

Fazit und Zusammenfassung
„Erwarten Sie nicht von ihnen [ihren Kindern], der Herde zu folgen... Wenn Sie Lehrer sind, genießen Sie die Schüler, die gesellig sind und sich am Unterricht beteiligen. Aber vergessen Sie nicht die scheuen, sanften und autonomen zu fördern... Das sind die Künstler, Ingenieure und Denker von morgen....

Verwechseln Sie nicht Durchsetzungsfähigkeit oder Beredsamkeit mit guten Ideen... vergessen Sie nicht, dass Schein nicht Sein ist“, schreibt sie in ihrem Schlusswort. Ein sensationelles Buch, ein MUSS als Karriereführer und auf keinen Fall nur für MINT*-Berufe!

*Anm. der Redaktion: MINT steht für die Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Autor dieser Rezension: Erich Feldmeier. Weitergabe und Veröffentlichung nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Über den Autor
Die Ausbildungen von Erich Feldmeier in Biologie, Informatik und Wissens-Management stehen für sein großes Spektrum an Fähigkeiten, das er in verschiedenen Stationen seines Lebens unter Beweis stellen konnte. Als leidenschaftlicher Naturwissenschaftler und Querdenker engagiert er sich in Projekten, die den kulturellen Wandel der Gesellschaft unter den Aspekten Demographie, Vielfalt und Nachhaltigkeit aufgreifen und praktisch umsetzen. Aktuell erstellt er als Mitglied der DIN-Kommission eine Beratungsempfehlung web2.0 für kleine und mittlere Unternehmen. Mehr erfahren Sie auf seiner Webseite.

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